Tempomessungen – Fast jede zweite Messung ist falsch!

On 15. Oktober 2013
Fast jede zweite Tempomessung ist falsch.
Dass die Messergebnisse der Radargeräte von der Polizei zu 100 Prozent stimmen, ist Fakt. Doch ist das wirklich so, oder geht man nur davon aus, dass die Tempomessungen völlig korrekt sind? Eine Untersuchung, welche nicht nur die Geräte sondern auch das Personal überprüft hat, ist nun zum Ergebnis gekommen, dass jede zweite Tempomessung falsch ist. Eine Hiobsbotschaft für Autofahrer und Polizisten, welche sich bislang gegenseitig vertraut haben. Die Polizisten darauf, dass der Autofahrer zu schnell unterwegs ist und der Autofahrer darauf, dass der Polizist den Beweis hat.

56 Prozent aller Messungen sind falsch

Die Punkte Flensburg – auf Grund von zu schnellem Fahren – können eventuell ungerechtfertigt auf dem Konto gelandet sein. Denn eine Sachverständigengesellschaft hat seit Jahren Überprüfungen von Tempomessungen angestellt und ist zu einem erschreckenden Ergebnis gelangt. Denn die Untersuchung, welche im April 2007 gestartet und im Januar 2013 beendet wurde, hat insgesamt 14.783 Tempoverfahren untersucht, welche schlussendlich vor dem Gericht gelandet waren. Die Sachverständigen stießen bei insgesamt 8.278 Messungen auf Mängel – das sind somit 56 Prozent. 56 Prozent, bei welchen die Messung falsch sei. Aber nicht immer ist das Personal schuld – auch die Technik versagt hin und wieder.

Oftmals ist die Technik schuld

Hersteller von Radargeräten verraten ungern, wie ihre Geräte funktionieren. Das hat den Grund, weil man nicht möchte, dass diese manipuliert werden. Selbst den Sachverständigen wird oftmals der Einblick und die Offenlegung des Betriebsgeheimnisses verwehrt. Das hat sodann den Hintergrund, dass nicht überprüft werden kann, ob das Radargerät falsch misst oder nicht. Zudem sind es aber auch die unterschiedlichen Geräte. Denn ob Laserpistole, Rader oder auch Lichtschranke – jede Messung und jedes Gerät funktioniert individuell. Das ist auch oftmals das große Problem. Denn die Geräte werden geliefert und jede Kommune muss selbst damit zurechtkommen. So kann es auch schon einmal vorkommen, dass die Technik zum Problem beim Messen wird und das Ergebnis im Endeffekt doch nicht so ganz stimmt. Und wer nun glaubt, dass die Messgeräte eine Bedienungsanleitung haben, der irrt. Denn diese sind Mangelware.

Das Personal und die Bedienung

Aber nicht immer ist die Technik an falschen Messungen schuld. So gibt es etwa auch Bedienungsfehler. Gerne gibt es das Problem bei engen Autobahnbaustellen. Da wird nämlich auch gleichzeitig der Gegenverkehr gemessen. Komplexe Messungen sorgen für die Ungenauigkeit, sodass auch Wetterverhältnisse, Standort wie auch die Verkehrsverhältnisse durchaus ihren Teil dazu beitragen, dass falsch gemessen wurde. Wichtig ist, dass die Polizisten eine gute Schulung erfahren, sodass sie nicht die Statistik noch mehr in die Höhe treiben. Ärgerlich an der Sache ist nur, dass Autofahrer im Endeffekt gegen eine falsche Tempomessung kaum vorgehen können. Das liegt nicht nur an der zweiwöchigen Einspruchsfrist, die relativ kurz gehalten wird, sondern auch am Betriebsgeheimnis der Firmen zwecks des Radargeräts. Das bedeutet, dass die Punkte Flensburg sogar behalten werden müssen, auch wenn sie zu Unrecht vergeben wurden.

Das Ergebnis der Sachverständigen

Unterteilt wurden die Mängel der Sachverständigen bei den 14.783 Messungen in folgende Kategorien:

Falscher Tatvorwurf (falsche Messwerte, fehlende Beweismittel) – 8 Prozent waren fehlerhaft.
Mangelhafte Bußgeldakte – 25 Prozent waren fehlerhaft
Geringe Mängel (Fehlende Bearbeitungshinweise) – 23 Prozent waren fehlerhaft
Keine Mängel (man hat keine Schwachstellen gefunden) – 44 Prozent.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass von 14.783 Messungen gerade einmal 44 Prozent zu 100 Prozent korrekt waren.
 

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